Ein Wochenende Sonne, Spargel, Stimmung hoch 10
Das Stadt- und Spargelfest in Osterburg hat mit dem inoffiziellen Namen "größtes Frühlingsfest der Altmark" einen Anspruch an sich selbst, dem auch 2026 gerecht werden konnte. Und das auf vielfältige Weise. Womit das Ausrichterteam um Christian Lübeck den Wettergott bestacht, bleibt an der Stelle ein Geheimnis. So viel ist klar: es hat funktioniert.
So auch das Konzept "Politisches Forum", für das Bürgermeister Nico Schulz am Freitagnachmittag des 8. Mai Sachsen-Anhalts Bildungsminister Jan Riedel gewinnen konnte. Der kam „gerne in dieses erstaunliche DDR-Museum“ – auch Verwaltungsgebäude an der Ernst-Thälmann-Straße genannt – und fesselte die 60 Gäste als launiger Redner, Zuhörer und Antwortender zum Thema „Aktuelle Herausforderungen an unseren Schulen“. Wohl wissend um das „enorme Engagement in den ländlichen Schulen wie hier“, sprach er die zahlreich vertretenden Schulleitenden, Lehrkräfte, pädagogischen Mitarbeitenden und Angestellten in Kitas und im Hort direkt, persönlich und auf Augenhöhe an, hatte Zahlen und Antworten parat – holte das Publikum da ab, wo es ist: oftmals am Ende der Kräfte.
Bildungsminister: "zu reinen Abschreibe-Guppys mutieren"
So wie Olaf Jaensch, der an seiner Grundschule in Flessau eine Nachfolge organisiert und nicht versteht, wie keine Einarbeitung möglich sein soll. Abgesehen vom zum Beispiel fehlenden Werkunterricht – „und das seit Jahren.“ Dass Schülerinnen und Schüler „zu reinen Abschreibe-Guppys mutieren, die nur noch für die nächste Arbeit lernen“, ist für Riedel in Anbetracht dessen, „was Schule eben auch ausmacht“ eine Negativspirale, aus der man gemeinsam herausfinden müsse und könne. Und so lieferte er enthusiastisch Praxisbeispiele, Maßnahmen für mehr Budgetautonomie der Schulen, Förderprogramme, das Bekenntnis zur Schulsozialarbeit oder einen positiven Blick auf die Absolventenzahlen im Lehramtsstudium. Letzteres nutze Christine Magerin, Schulleiterin an der Förderschule in Osterburg und Stendal, aktuell nichts. „Ich nehme gerne pädagogische Unterrichtshilfen, nur stehen die einer Förderschule nicht zu.“ Eine für den Bildungsminister sichtlich unverständliche Vorschrift, „die ich klären werde.“ Und man glaubt es ihm, dem „Schulminister, der Sie theoretisch ja sind“, wie Arneburg-Goldbecks Bürgermeister René Schernikau einwarf. Ja, Bildung müsse Hand in Hand gehen. „Kita, Hort und Schule gehören in ein Ressort, nicht in drei verschiedene wie jetzt, das ist kein nice to have“, stimmte Jan Riedel zu und habe dies im Wahlprogramm seiner Partei (CDU) verankert.
Die anderthalb Stunden waren schneller vorbei als alle Gespräche stattgefunden haben konnten. Doch der Tumult vor dem Gebäude deutete es 18:30 Uhr an: Aufstellen zum gemeinsamen Marsch der Vereine unter dem Motto „Osterburg zeigt Flagge“ Richtung Große Bühne, wo das Stadt- und Spargelfest 19:30 Uhr offiziell eröffnet wurde.
Ministerpräsident: „Der ländliche Raum spielt eine zentrale Rolle“
Zu einer Stippvisite schaute Sonntagvormittag Ministerpräsident Sven Schulze in Osterburg vorbei. Auf dem Festgelände sprach er mit Bürgerinnen und Bürgern über deren Sorgen und Ängste – im Großen wie im Kleinen. Für den Spitzenkandidaten der CDU bei der Landtagswahl im September „spielt der ländliche Raum eine zentrale Rolle. Wir müssen Ihnen, die hier leben und alles aufgebaut haben, auch gewährleisten, dass es so bleibt.“ Es gebe einige Projekte auf den Weg zu bringen, fing Bürgermeister Nico Schulz den Ball gerne auf und sprach die Schwimmhalle an. „Hier ist vielleicht nicht alles so wie in Großstädten, aber wer will das auch?“ Wichtig sei, sich hier die Zukunft gestalten zu können, auf einer stabilen Basis an Kitas, Schulen, Ausbildungs- und Arbeitsmarktchancen plus ausreichende medizinische Versorgung, Anbindung an Verkehrswege und Freizeitangebote. Mit diesen Worten ging’s runter vor die Bühne mit kurzem Halt am Ehrenbuch der Hansestadt Osterburg (Altmark).
Spargelkönigin die Schnellste am „Weißen Gold“
Mit dem Spargelwettschälen gegen 13:30 Uhr wird jährlich so langsam das Ende des Stadt- und Spargelfestes eingeläutet. Bei sonnigen 20 Grad holte sich auf dem Großen Markt Sabine Bieschewski aus Seehausen den 3. Platz, Friedrich Lübke aus Letzlingen verfeinerte seine Schälkünste zum Vorjahr und landetet auf dem 2. Platz. Und Linda Haucke machte eindrücklich klar, dass sie das Amt der Spargelkönigin zu Recht innehat.